Goldlöckchen beglückt die Weltwirtschaft – Auswirkungen auf den Schweizer Immobilienmarkt?

Das Thema stiess ganz offensichtlich auf grosses Interesse, zog es doch knapp 50 Gäste am frühen Morgen nach Seegräben auf den Juckerhof. Geschäftsführer Johannes Reis brauchte den Referenten nur kurz vorzustellen, schliesslich ist Martin Neff dank seiner Kolumnen, Gastbeiträge und Kommentare eine feste Grösse in Schweizer Wirtschaftsmedien.

Martin Neff ist kein Märchenerzähler, auch wenn die Zunft der Ökonomen in den letzten Jahren vermehrt in diesen Ruf geriet. Trotzdem startete er sein Referat mit einem Märchen – dem Märchen vom Goldlöckchen und den drei Bären – und zog das Publikum damit von Beginn weg in seinen Bann.

Es handelt von den drei Bären, die ihr Haus verlassen, um den gekochten Brei abkühlen zu lassen. In der Zwischenzeit erkundet ein kleines Mädchen, Goldlöckchen, das Haus, und probiert vom Brei. Der im ersten Schüsselchen ist zu kalt, der im zweiten zu heiss, erst der Brei im dritten Schüsselchen ist gerade recht. Angelsächsische Ökonomen nennen eine Wirtschaft, bei der alles passt, deshalb Goldilocks-Economy. Sie ist nicht zu kalt, um in eine Rezession zu führen, nicht zu heiss, um zu überhitzen und die Inflation anzutreiben. Und so sind die Bedingungen für Immobilien-Investoren momentan nach wie vor geradezu märchenhaft. Die Kombination aus einer

  • synchron und stabil wachsenden Weltwirtschaft
  • einer moderaten Inflation sowie
  • niedrigen Zinsen

bewirkt einen der längsten konjunkturellen Aufschwünge der letzten Jahrzehnte und ein Ende ist vorerst nicht in Sicht.

Martin Neff verdeutlichte eindrücklich wie die Immobilienbranche als Nutzniesser von der Nullzins-Politik profitiert. Auch wenn manch einer bei einer Bruttorendite von 3.5% die Nase rümpft, sind alternative Anlagen momentan eher gering. Die inflationsbereinigte Rendite von festverzinslichen Anlagen wie Anleihen bleibe auf absehbare Zeit negativ, damit gibt es vorerst kaum Alternativen zu realen Werten wie Immobilien.

Trotz all der guten Bedingungen am Markt werden SNB und Finma nicht müde jedes Quartal aufs Neue vor einer Überhitzung der Märkte und einer harten Landung zu warnen. Vor allem den Blasenindikator der UBS beurteilte Martin Neff kritisch und bewies dabei einmal mehr seine Wort- und Redegewandtheit. Er teilt den negativen Ausblick dezidiert nicht, sondern geht von einer eher sanften Landung aus. Vorerst erwartet er weiterhin ein moderates Wirtschaftswachstum, keine erhöhten Inflationsbelastungen und bleibt so auch für die Immobilienbranche zuversichtlich.

Seine Kernbotschaft zum Schluss lautet: keine Angst vor der Zinswende! Ja, die Zinsen werden steigen, aber weit von einer «Zinsfalle» entfernt bleiben. Klar, kein Goldlöckchen-Szenario hält ewig und trotz einiger Gefahren als Folge der Politik des billigen Geldes und der riesigen Gesamtverschuldung vieler Länder, wagt Martin Neff die überraschende Prognose: „Zinsen in Höhe von 4% sehe ich zu meinen Lebzeiten nicht mehr!“

Das anschliessende kleine Frühstück fand bei bestem Wetter sowie traumhafter Aussicht über den Pfäffikersee statt und wurde rege genutzt, um mit dem Referenten zu diskutieren.

Der erste RiAG-Frühstücksanlass war ein voller Erfolg. Schon heute daher ein Ausblick auf unsere Frühstücksveranstaltung vom 24. Oktober 2018: dann begrüssen wir Markus Brönnimann, Amtschef des Immobilienamtes Kanton Zürich, als Referenten.

 

Artikel zum RiAG-Frühstücksanlass vom 23. Juni 2018 in der Beilage Regionalwirtschaft vom Zürcher Oberländer

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